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Waschmaschinenprogrammscheibenorchester



Die Knackgeräusche mechanischer Programmscheiben älterer Waschmaschinen sind akustisches Ausgangsmaterial. Eine Umdrehung einer solchen Scheibe dauerte normalerweise ein bis zwei Stunden. Jedes Knackgeräusch stand für sich.

Um nun die Geräusche in Beziehung setzen zu können, wurden mit Hilfe von Motorenantrieben die Programmabläufe zeitlich gerafft.

Die Schaltbefehle: Wasser - auf, Trommel - vorwärts, Trommel - rückwärts, Pumpe - ein, Schleudern usw. ... werden nun in weniger als 1 Minute abgearbeitet, ohne natürlich die Vorgänge wirklich auszulösen. Erst jetzt nimmt man klangliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schaltgeräuschen, durch unterschiedlich große Bronzefederkontakte bedingt, wahr. Das Ergebnis ist eine Reihe von akustischen Ereignissen, die sich zu einer Art Melodie gestalten.


16 Scheiben drehen sich in verschiedenen Geschwindigkeiten und werden, einer Komposition folgend, ein- und ausgeschaltet. Entsprechende Lichter an den Objekten verdeutlichen die Klangbewegung. Zwei zeitliche Abläufe überschneiden sich, die der fest gestalteten Komposition und die der einzelnen für sich stehenden "Melodien" der Programmscheiben. Damit ergeben sich auch quasi zufällige akustische Anschnitte der einzelnen Aktionen und ständig wechselnde Ton- und Geräuschfolgen.








Es folgt nun eine Ansage .... aus ... "schleudern - spülen - waschen - hören"




... Erlauben Sie mir bitte, kurz etwas zum Werdegang des Orchesters zu sagen ...

Sollte jemand von Ihnen eine dieser älteren Waschmaschinen im Haushalt erlebt haben, so werden ihm gewiß nicht diese Knackgeräusche, welche jeweils beim Umschalten in den nächsten Waschgang zu hören waren, entgangen sein. Die Annahme, daß diese Geräusche jedesmal gleich geklungen haben, ist falsch. Das eigentliche Schaltgeräusch, ausgelöst durch einen Bronzefederkontaktstreifen wurde durch einen Magnetschalter auf unsensible Art und Weise übertönt.

Ich sah es nun als meine Aufgabe, das in verschiedenen Farben und auch Tonhöhen auftretende Schaltkontaktgeräusch zu befreien.

Ich entfernte den Magnetschalter.


Um nun die einzelnen Töne in Beziehung zu setzen, mußte ich den gesamten Waschgang, der ja etwa zwei Stunden dauerte, auf 20 Sekunden reduzieren. Danach wiederholt sich der Vorgang, immer wieder, solange die Scheibe in Bewegung ist.

Diese Reduzierung gelang mir mit Hilfe von Motoren, die mit verschiedenen Geschwindigkeiten drehen. Nun hört man kleine Melodien. Melodien, die, ich will es nicht leugnen, einen gewissen Geräuschanteil haben. Melodien, die aber jahrelang, und in der DDR wurde länger mit ein und der selben Waschmaschine gewaschen als jetzt, unterdrückt waren und nun für Sie in kleine anschauliche Kompositionen gebracht wurden.


Erst jetzt nimmt man klangliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schaltgeräuschen wahr, bedingt, ich sagte es schon, durch die unterschiedlich großen Bronzefederkontakte. Eine dieser Scheiben spielt sogar ein kleines Mozartmotiv - aus der Sinfonie G-Moll

- allerdings nur eineinhalb Takte.